Teil-Still-Legung

Aus dem Leben einer unabhängigen Lizenz-Expertin

Monatlich schreibt Heike Riesterer über ihre Erfahrungen in der SAPCommunity. Sie diskutiert mit Kunden über Lizenzmanagement bis hin zu den verschiedenen Beschaffungswegen von Software und erlebt dabei auf der Seite ihrer Kunden täglich Anekdoten von SAP und Anbietern und deren Auffassung von Lizenz- und Wartungsgebühren.

Wir haben 2010 und immer noch ist alles unklar in der Lizenz- und Wartungspolitik der SAP-Welt. Nur eines ist klar: Es ist das Jahr der Fußballweltmeisterschaft. Aber auch dort finden wir die Irritationen um das liebe Geld, wie beispielsweise die Wettskandale zeigen. Also gehe ich mal davon aus, dass alles einfach so weitergeht, wie wir es bisher kennen gelernt haben.  So auch die Krise, die Diskussion um das Weltklima, die Wettskandale und so auch der Streit um die Lizenz- und Wartungskosten in der SAP-Community. Halt! Eines habe ich ganz vergessen: Der Vertrag von SAP mit dem Vorstandsvorsitzenden Leo Apotheker endet im Jahr 2010 und es bleibt die Frage offen, ob er verlängert wird. Ach ja und die Schweinegrippe soll auch schon wieder vorbei sein.

Die Winterlandschaft im badischen Walldorf ist immer dann besonders schön, wenn die Sonne scheint. Nur scheint diese in dieser Jahreszeit sehr selten und dann auch nur kurz. Umso mehr fällt es auf, dass an der A5 die SAP-Gebäude nicht mehr so hell erleuchtet sind, wie man es sonst beim Vorbeifahren gewohnt ist. Normalerweise brennen morgens um sechs Uhr schon die ersten Lichter in den Bürozimmern der Glaspaläste und abends um 21 Uhr sind immer noch viele am Arbeiten. Dies hat sich um den Jahreswechsel massiv verändert. Aber wen wundert’s? Nun, man könnte vermuten, die SAP hat Schnupfen und alle liegen mit Grippe im Bett. Oder hat die SAP Stechkarten und Bürozeiten von 9-16 Uhr eingerichtet, um sich Ihren Kunden in der gebeutelten Fertigungsindustrie anzupassen? Oder sind sie alle bei den Kunden vor Ort und erarbeiten Lösungsvorschläge zur Schadensbegrenzung? Letzteres scheint mir eher unwahrscheinlich. SAP hat sich in den vergangenen Monaten als „etwas unentschlossen“ in ihrer Lizenz- und Wartungspolitik dargestellt.

Erst 17 Prozent, dann sogar Kündigung der Kundenverträge und Erhöhung auf 22 Prozent, dann Rücknahme der Kündigungen und Wahlrecht: weniger Support mit 17 oder mehr Support mit 18,36 Prozent. Aber Neukäufe zu „Super-Spitzen-Support“ – nein eben nicht, sondern auch zum selben Support wie mit den 18,36 aber hier mit 22 Prozent. Dann der Rückruf der stufenweisen Erhöhung. Wir sind gespannt. Weiteres folgt bestimmt! Logische Gründe dafür? Mehrwert für die Kunden? Bitte nicht danach fragen! Schaut man einmal hinter die Kulissen, so sieht man, dass die SAP-Mitarbeiter genauso unzufrieden sind von dem Hin und Her des Managements, wie die Bestandskunden.

Ich stelle es mir für SAP-Mitarbeiter nicht lustig vor, wenn man Tag für Tag von den Kunden die Kritik zu hören bekommt, die auch wirklich berechtigt ist. Wenn man Fragen ständig nur mit einem Achselzucken beantworten kann, da man keine Informationen zur Klärung aus den eigenen Reihen bekommt. Ich stelle es mir auch äußerst unangenehm vor, mit leeren Händen zu den Kunden zu fahren, ausgeschimpft zu werden und dann zurück im Büro mit leeren Händen vor dem Chef zu stehen und keinen Umsatz zu bringen. Und was soll man auf die Fragen der Kunden antworten, oder versuchen Lösungsvorschläge zu erarbeiten, wenn man erstens nicht weiß, ob morgen schon wieder eine andere Richtung bei den Preisen eingeschlagen wird und zweitens man selbst nicht weiß, wohin einen die internen Umstrukturierungen in den nächsten Wochen verschlagen? Also ist es doch einfach menschlich, wenn der Kopf eingezogen wird und man abwartet. Da hätte ich auch keine Lust mit hohem Engagement morgens um sechs Uhr schon im Büro zu sitzen.
Bei allem Verständnis. Dies bedeutet jedoch auch im Umkehrschluss: Nichts wird geklärt. Alles bleibt ungeklärt. Alles muss von den Kunden einzeln verhandelt werden, so wie bisher auch. Ich frage mich oft vor Terminen mit SAP, wie man dieses Chaos vor den Kunden noch vertreten kann. Wie soll man als SAP-Mitarbeiter dann vor den wütenden Kunden die „neue kreative Preisgestaltung“ welche das eigene Management fabriziert hat, als positiv darstellen und mit voller Überzeugung vertreten? Einige SAP-Mitarbeiter schieben alles auf USGaaP und auf die Börse. Manch einer traut sich auch Herrn Apotheker vorzuschieben und sie geben ehrlich und offen zu, dass sie das nicht verstehen und eben jetzt den internen Anweisungen Folge leisten. Ich habe bisher nur einen SAP-Kollegen erlebt, der das mit der Überzeugung wirklich ganz gut hin bekommen hat. Er hat wirklich mit einem Strahlen auf den Lippen und diesem ehrgeizigen Funkeln in den Augen berichtet, warum Teil-Still-Legung noch „nie“ bewilligt wurde und warum der Enterprise Support die Lösung aller Probleme wäre und selbstverständlich auch auf die Länderzuschläge 22 Prozent Wartung zu zahlen sind!

Nun, Ausnahmen bestätigen eben die Regel. Der Fußballwettskandal war sicherlich auch nur eine Ausnahme! Lassen Sie uns gemeinsam gespannt sein, was uns das Jahr 2010 so bringen wird. Und nachdem „Abwrackprämie“ das Wort des Jahres 2009 geworden ist, dicht gefolgt von der Schweinegrippe, rufe ich nun das Wort „Teil-Still-Legung“ in der SAP-Community zum Wort des Jahres 2010 auf.

Heike Riesterer, Geschäftsführerin der LE Licence Experts GmbH, unterstützt ihre nationalen und internationalen Kunden rund um das Thema Softwarelizenzen. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung auf der Seite von Softwareanbietern, hat sie sich mit Licence Experts zur Aufgabe gemacht, nicht nur mit Lizenzmanagement Kosten einzusparen, sondern auch im IT-Einkauf sowie in den Verhandlungen die Nutzenargumentation des Kunden in das Angebotsportfolio der Softwareanbieter zu integrieren. Ihre Praxiserfahrung reicht von IT Asset- und Lizenzmanagement über die Einkaufsoptimierung bei Neukauf, Nachkauf, Migration und Wartung bis zur effizienten Verhandlungsführung im Kundenauftrag. Bei den Infotagen 2010 wird sie den Workshop „Verhandlungsoptimierung“ leiten.

One Response to Teil-Still-Legung

  1. Super Blogbeitrag zu dem Thema, der Innovativste denke ich, den ich bis jetzt gefunden habe. Ich hoffe, der Blog bleibt am Thema dran?! War da nicht letztens schon mal ein Beitrag bei SPON drüber? Vielen Dank, Elsbeth Diederich

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